Burka sì, burka no
20 agosto 2016 alle 9:45

Io sono contrario al burqa. Io sono tendenzialmente antireligioso e contrario all’esposizione di tutti i simboli religiosi. Detto questo, mi chiedo se vietare un indumento sia una cosa corretta, dal punto di vista sia dei metodi, sia dei contenuti. Tendenzialmente dico: no, vietare il burqa per mezzo delle leggi penali è sbagliato, se la donna lo indossa volontariamente. Bisogna agire sulla via dell’integrazione e spingere sull’affermazione delle nostre conquiste sociali. 

Qui sotto un interessante articolo di David Hesse preso dal sito tagesanzeiger.ch oggi, sabato 20 agosto 2016. Una nota: non è vero che in Ticino è stato vietato il burqa, come dice lui. In Ticino è stata emanata una legge barbara che vieta la dissimulazione del volto, anzitutto per gli attivisti politici pacifici. E contro questa legge abbiamo lanciato con M. Colombo un ricorso al TF, che nulla ha a che vedere col divieto di burka.

 

Auch die Islamisten sind für das Burkaverbot

Brauchtum ist schön, aber nicht harmlos. In den USA vergeht kein Jahr ohne Streit um den Kirpan, den Zeremonialdolch der Sikh. Kinder möchten ihn in der Schule tragen. Muss ihnen das gestattet werden, im Namen der Religionsfreiheit? Oder gilt: Keine Waffen im Klassenzimmer?

Weniger Unsicherheit plagt da die Polizei in London. Sie hat es immer wieder mit obskuren Voodoozirkeln zu tun, bei deren Riten Tiere und manchmal Menschen zu Schaden kommen. Hier ist klar: Wer quält, wird verhaftet, egal, woran er glaubt. Ja, auch einheimische Sitten können zum Rechtsfall werden, wenn sie den Gang der Zeit verschlafen. Appenzell Innerrhoden musste vom Bundesgericht angehalten werden, auch Frauen im Ring der Landsgemeinde zuzulassen. Das war 1990. Manche Bräuche müssen verboten werden.

In Europa weckt derzeit vor allem der Islam Verbotsgelüste. Der deutsche Innenminister will die Burka aus einigen Lebensbereichen verbannen, etwa aus dem Strassenverkehr. Frankreich ist schon weiter, dehnt das seit 2011 geltende landesweite Burkaverbot nun lokal auf Burkini-Badeanzüge aus. In der Schweiz sind Burka und Niqab erst im Tessin verboten, doch Politiker von rechts wie links fordern ein nationales Gesetz.

Taliban in Zürich stoppen

Die Debatte erstaunt. Denn solange niemand bestehende Gesetze bricht, hält sich der westeuropäische Staat aus privaten Dingen wie der Ankleide traditionsgemäss heraus. Das ist gemeint mit bürgerlicher Freiheit. Allenfalls rügt der Staat gänzlich Unbekleidete im öffentlichen Raum, aber Kopftücher, Hüte und Sandalen sind ihm egal.

Diese Tradition ist überholt, finden Befürworter des Burkaverbots. Der radikale Islam stelle heute eine Bedrohung dar, für die der Staat neue Handhabe brauche. Ragen seine Minarette nicht wie Lanzen in den Himmel, verletzen seine Schleier nicht die Freiheiten, die alle Frauen bei uns geniessen sollten? Der Islam, sagte unlängst der konservative britische Historiker Niall Ferguson im Gespräch, sei mehr als nur eine Religion; er sei immer auch politisch, antiwestlich. Wenn wir ihn aus falscher Toleranz in unseren Städten gedeihen liessen, so würden wir den eigenen Untergang befördern. In dieser Denkart werden Burka- wie Minarettverbote zu Statements: Wir stoppen die Taliban bereits daheim in der Bahnhofstrasse.

Am meisten gefällt diese Rhetorik natürlich den Islamisten. Nichts käme ihnen gelegener als der Einstieg des Westens in ihren Heiligen Krieg. Aber gut, nehmen wir einmal an, die These sei wahr, der Islam und der Westen stünden sich tatsächlich in einem endzeitlichen Kampf der Kulturen gegenüber. Selbst dann gibt es noch drei gute Gründe gegen ein Burkaverbot.

Die Kilts der Jihadisten

Erstens: Wer dem Feind die Kleider verbietet, stärkt ihn. Das musste die britische Krone erfahren. Sie schlug in der Schlacht von Culloden 1746 die letzten widerständigen Clans aus dem schottischen Hochland, die das Haus Hannover nicht akzeptieren und lieber die Stuarts auf dem Thron wollten. In der Folge verbot London die Kleidung der Clans, die Röcke und Dudelsäcke der Besiegten. Ein Fehler. Das Verbot führte zu einer beispiellosen Romantisierung der Highlander, zu Solidaritätsbekundungen von Künstlern und Intellektuellen. 1781 musste das Verbot wieder aufgehoben werden. Nun wurden die Röcke und Sackpfeifen des Hochlands, einst Symbole sumpfigster Rückständigkeit, zur gefeierten schottischen Tradition. Es war die Dämonisierung der Clans, die ihr ästhetisches Überleben sicherte.

Zweitens: Kleiderverbote sind oberflächlich. Man kann die Schleier untersagen, aber nicht das Gedankengut darunter. Das zeigt sich in Belgien und Frankreich, wo seit Jahren Burkaverbote gelten. Beide Staaten konnten nicht verhindern, dass die Islamisten Terroranschläge auf ihrem Boden verübten. Verhüllt war keiner der Täter. Ein Verbot von islamischen Symbolen schafft keine Sicherheit, sondern stärkt die Hassprediger, die alle Muslime zu Opfern verklären.

Drittens schwächt ein Burkaverbot uns selbst. Die freiheitliche Gesellschaft möchte sich verteidigen – und droht die Freiheiten einzuschränken, auf die sie stolz ist. Dass bei uns eben keine Autorität entscheidet, wie wir uns anzuziehen haben, ist richtig. Wer das ändern will, wird Mühe haben, Grenzen zu ziehen. Müsste man nach den Burkas auch rechtsradikale Glatzen verbieten, weil deren Anblick Angst macht? Was ist mit den langen Röcken und Perücken vieler orthodoxer Jüdinnen, die vielleicht auch nicht auf grösstmögliche Freiheit verweisen? Wer entscheidet, was akzeptabel ist? Sind die orientalischen Kostüme der Zürcher Zunft zum Kämbel ein Problem? Natürlich nicht! Weil bei uns gilt: Auch was stört, ist erlaubt. Solange es keine Gesetze verletzt.

Gift der Angst

Dass der Kampf gegen die Feinde der Freiheit unerwünschte Folgen haben kann, haben die USA in den 15 Jahren seit 9/11 erfahren. Staatliche Folter, Guantánamo, NSA: Noch heute ist die Nation damit beschäftigt, Türen zu verschliessen, die besser nie geöffnet worden wären. Dass ein Präsidentschaftskandidat für Folter einstehen und ein Einreiseverbot für Muslime fordern kann, wäre ohne den Krieg gegen den Terror undenkbar. Die entschlossene Reaktion gegen aussen hat das Rechtsempfinden im Innern verändert.

Die Schweiz, vom Terror verschont, hat keine solchen Erschütterungen erfahren. Doch das Gift der Angst wirkt auch hier. Wenn Politiker über Ausschaffungen in Kriegsgebiete nachdenken, der Staat die Reisefreiheit von «Verdächtigen» einschränken will und man als Gutmensch angefeindet wird, wenn man zwischen Verdächtigen und Überführten weiterhin unterscheiden will: Das sind bedenkliche Entwicklungen.

Die Schweiz braucht kein Burkaverbot, sie braucht Selbstbewusstsein. Unsere Gesellschaft hält es aus, wenn in ihr erkennbar Fremdes lebt. Es ist ein Zeichen der Schwäche, zu verbieten, was wir fürchten. Statt neue Kleiderregeln zu ersinnen, sollten wir auf den bestehenden Gesetzen beharren. Dass in der Volksschule auch die Mädchen in den Schwimmunterricht müssen – keine Frage. Wenn es sein muss, gehen sie im Burkini. Wer die Gesetze befolgt, soll sich so blöd anziehen können, wie er will. Oder sie.

 


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